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27.10.2017

LANDHOCKEY | ZENKER UND SEIN MULTIKULTI-TEAM

Seit vergangenem Frühjahr wird die NLA Herren-Mannschaft der GC Sektion Landhockey erstmals von einem Profitrainer trainiert – allerdings nicht im Hauptberuf, das würde das Budget nicht zulassen. Wöchentlich zweimal steht der deutsche Hockey-Fachmann Frank Zenker den Grasshoppers für die Trainingsleitung zur Verfügung und selbstverständlich coacht er das Team während den Spielen. 

Es war eine glückliche Fügung, dass Frank Zenker dem Rat eines Bekannten von Swiss Hockey folgte und sich für eine Anstellung bei GC Landhockey-Präsident Retus Gieriet bewarb. Frank Zenker hat das Team bereits geformt und erste Erfolge erreicht. Bei der Übernahme während der laufenden letzten Saison war das Team punktelos, am Saisonende hatte es nur gerade um einen Punkt die Playoffs verpasst. Und mit dem Hallenteam erreichte er den direkten Wiederaufstieg in die NLA. In der laufenden Saison kamen die Grasshopper bis zur Winterpause auf drei Siege (bei vier Niederlagen). Der Trainer ist aber zuversichtlich, das Saisonziel, die Playoff-Qualifikation zu erreichen. „In der Halle wird die Saison für uns als Aufsteiger und wegen der höheren Leistungsdichte etwas schwieriger werden, dennoch bin ich zuversichtlich“, prognostiziert Frank Zenker.

Zwei Meisterschaften

Die Feldsaison wird jeweils von September bis Oktober und April bis Juli ausgetragen, die Hallensaison während der Wintermonate. Das GC Herren Team in der NLA bestreitet beide Meisterschaften. Frank Zenker: „Von der aktuellen, rund 25 Spieler umfassenden Feldmannschaft spielen nur rund zehn Spieler in der Halle. Grund dafür ist u.a., dass ausländische Spieler das Hallen-Hockey nicht kennen bzw. in ihrem Herkunftsland nicht praktiziert haben. Das Hallen-Hockey wurde von den Deutschen und Schweizern eingeführt, um die Winterzeit zu überbrücken, zu einer Zeit, da noch auf Naturrasen gespielt wurde und die Winter strenger waren. Inzwischen haben sich ja einige Änderungen ergeben. Gespielt wird auf Kunstrasen und in unseren Regionen hatten wir zuletzt eher milde Winter. Dennoch schätzt Frank Zenker das Hallen-Hockey, obwohl es international keine grosse Rolle spielt: „In der Halle gelten besondere Regeln, zum Beispiel muss ausser beim Torschuss der Ball flach gehalten werden, was zu einem reduzierten Spieltempo führt und andererseits eine feinere Technik erfordert. Das dient auch in taktischen Belangen der Weiterbildung der Spieler.“ Dennoch können sich nicht alle Spieler mit dem Wechsel in die Halle anfreunden und echte Cracks schliessen sich gerne der Indian Hockey League an, wo sie für die Übergangszeit temporär als Professionals verpflichtet werden. Während vier, fünf Wochen bestreiten sie wöchentlich mehrere Pflichtspiele – in ganz Indien.

Multikulti-Team

Auch das GC Team setzt sich aus Spielern aller Herrenländer zusammen und ist neben Voléro Zürich wahrscheinlich das multinationalste Team der Schweiz. Auf die Schnelle lässt sich diese Behauptung allerdings nicht nachprüfen, da die GC Sektion Landhockey eine sehr zurückhaltende Informationspolitik pflegt. Auf der Homepage sind keine Spieler-Kader aufgeführt, geschweige denn die Trainer. „Ich habe festgestellt, dass in der Schweiz in unserer Sportart in dieser Hinsicht generell Zurückhaltung geübt wird. Meines Erachtens sollte auch der nationale Hockeyverband, Swiss Hockey, offensiver kommunizieren. Andere, vor allem auch Trendsportarten, machen es vor, wie man einen höheren Aufmerksamkeitsgrad erreicht. Andere könnten uns den Rang ablaufen“, bedauert Frank Zenker und bringt das Beispiel, dass Rotweiss Wettingen, der helvetische Landhockey-Vorzeigeklub den richtigen Weg beschreitet und seine Matches im Livestream überträgt. „Aber das ginge bei uns schon wegen technischer Unwegbarkeiten nicht, als Mieter können wir auf dem Hardhof keinen Videoturm aufstellen, um ein gutes Bild einzufangen...“, ergänzt Frank Zenker.

Bei aller Internationalität intensivieren die Grasshopper auch die Nachwuchsausbildung mit dem Ziel, selbst ausgebildete Talente in die 1. Mannschaft zu integrieren. Frank Zenker: „Wie zum Beispiel aktuell die Talente Landweg und Steiner, die gut arbeiten und trotz ihrer Jugend dem Team schon gute Impulse setzen.“

Obwohl die Trainigs-Sprache Deutsch ist, unterhalten sich die vielen Expats auf und neben dem Platz des öfteren auch in Englisch, Französisch, Holländisch oder auch Flämisch, was dem Teambuilding keinen Abbruch tut.
 
Ein Düsseldorfer als Seebub

Frank Zenker stammt aus Düsseldorf und kommt aus einer Landhockey-verrückten Familie. Sowohl der Vater, der Bruder, die Nichte, der Neffe, die Schwägerin spielten oder spielen Landhockey. Frank begann als Neunjähriger mit diesem Sport, gehörte dem Junioren-Auswahlteam des Westdeutschen Hockey-Verbandes an, bis er nicht mehr bereit war, den hohen Aufwand (Anfahrtsweg, Schule etc.) zu betreiben. Dennoch schaffte es bis in die Oberliga, musste aber die Aktivkarriere wegen Knieproblemen aufgeben. Vorher aber hat er noch seine, damals ebenfalls Hockey-spielende Liebe kennengelernt und folgte ihr nach Süddeutschland, nach Konstanz, wo er seit 25 Jahren mit ihr und den beiden Kindern (15- und 12-jährig) wohnt, „dort wo andere ihre Ferien verbringen“, wie der heute 54-Jährige sagt. Will heissen, der gelernte Chemiekant fühlt sich wohl in der Region und auch bei seinem Arbeitgeber, einem Hersteller zahnmedizinischer Produkte wie Füllmaterialen etc. Obwohl er landhockey-technisch gesehen in der Diaspora wohnt (in Konstanz und auch im engeren Umfeld wird Landhockey nicht auf der Leistungsstufe betrieben), blieb er seiner Lieblingssportart treu und liess sich als Trainer ausbilden. Beim Erwerb der Breitensport-Diplome C und B hospitierte er u.a. bei der deutschen U16-Nationalmannschaft in Mannheim und beim Herren-Team der Stuttgarter Kickers. Schliesslich machte er auch das Diplom B Leistungssport. 2012 war er ein erstes Mal in der Schweiz tätig, im Nachwuchsbereich von Red Sox Zürich, bevor er im Breitensport in Konstanz ein Jugend- und Herren-Team trainierte. Sein Ziel, eine Mannschaft der höchsten Liga zu betreuen, erreichte er nun beim Grasshopper Club Zürich, wo er seine Fähigkeiten und seine Erfahrung einbringen kann. 

Eugen Desiderato