MenuSuche
30.10.2017

NLA/Herren: Interview: Vier Fragen an Markus Berchten

1. Wie zufrieden bist du mit dem Saisonstart und den bisher gezeigten Leistungen?

Die Hälfte der Qualifikationsrunde ist bereits gespielt und wir liegen mit 7 Spielen und 4 Punkten leicht hinter meinen Erwartungen. Wir konnten die "Muss-Spiele" gegen die Gegner auf Augenhöhe (St. Gallen + Endingen) gewinnen. Gegen Luzern zeigten wir im Eröffnungsspiel 45 Minuten lang einen ansprechenden Handball, verloren dann aber leider in der Schlussphase unseren Spielfluss und damit auch das Spiel. In den Spielen gegen Kadetten Schaffhausen und Wacker Thun gelangen uns jeweils gute 2. Halbzeiten. Leider konnten wir diese Leistung nicht konstant in der ersten Halbzeit abrufen, sodass wir in der Pause mit 5 bis 7 Toren im Rückstand lagen. Wir kämpften uns zwar in die Spiele zurück, jedoch sind wir momentan noch zu wenig gefestigt, um dann auch in den entscheidenden Phasen die Ruhe zu behalten und die Spiele noch zu drehen. Gegen Pfadi Winterthur und den HSC Suhr kassierten wir zwei Klatschen, bei denen wir aus unterschiedlichen Gründen jeweils einen blutleeren Auftritt zeigten.

Dass wir mit diesem jungen Team wohl noch keine Konstanz erreichen werden war uns im Vorfeld der Meisterschaft bewusst. Die gezeigten Spielleistungen zeigen ungefähr den aktuellen Leistungsstand des Teams auf. Phasenweise haben wir tollen Handball gespielt und so unser hohes Potential angedeutet, allerdings wäre ich mit zwei Punkten mehr auf dem Konto zufriedener. Jetzt gilt es, dass wir die gezogenen Lehren aus der ersten Saisonhälfte in den kommenden 7 Spielen umsetzen können.
 

2. Was fehlt der jungen Mannschaft noch? Auf welche Themen legst du im Moment den Schwerpunkt sowohl im Training als auch in der Spielvorbereitung?

Die Schwerpunkte sind momentan klar auf die taktische Umsetzung des Angriffskonzepts gelegt. Beginnend mit dem Ballgewinn, einem wünschenswerten schnellen Umschaltspiel für den Konter in der 1. und 2. Welle sowie einem geduldigen, druckvollen Spiel mit vielen Auslösehandlungen, um unsere Spieler in Entscheidungs- und Abschlusspositionen zu bekommen. Bisher fehlt es uns vor allem an Geduld, die Auslösehandlungen sauber und druckvoll zu Ende zu spielen, die gewünschten Laufwege im richtigen Timing abzurufen sowie die Entscheidungssituationen mit dem entsprechenden Rhythmuswechsel dort auszulösen, wo wir es gerne hätten.

Somit liegt es auf der Hand, dass unsere Trainingseinheiten momentan taktisch geprägt sind, um die notwendige geistige Frische in den Entscheidungssituationen wie auch die Spieldisziplin zu steigern und zu fördern.

In der Spielvorbereitung liegt der Schwerpunkt in den Videoanalysen, um dem Team aufzuzeigen, welche Auslösungen wir gegen welchen Gegner spielen wollen. Zweiter Punkt liegt sicherlich im mentalen Bereich, dass wir ohne Hemmungen und mit der notwendigen Aggressivität dem Gegner Paroli bieten können. Die vorhandenen Defizite in der spieltaktischen Umsetzung müssen wir mit noch mehr sichtbarem Feuer und Teamspirit wettmachen, um die nächsten Fortschritte als Team zu erreichen. Dazu benötigt es von jedem Spieler im Training wie im Spiel zwischen 5-10 % mehr Leistungsbereitschaft und Umsetzungswille. Schaffen wir dies auf die Platte zu bringen, so werden wir automatisch die nächste Stufe der Entwicklung erreichen.  

3. Wie schreitet die sportliche und menschliche Integration der neuen Spieler nach dem großen Umbruch im Sommer voran? 

Die menschliche Integration verläuft aus meiner Sicht hervorragend, ich spüre bereits seit Juli eine homogene Truppe, die sich schon fast "zu gut" versteht und jetzt auch noch lernen muss auch unangenehme Themen miteinander und gegenseitig zu besprechen.

Im sportlichen Bereich verlief die Integration bis Mitte August aus einem Guss, bis sich unser neuer Mittelmann Sergio Muggli beim Turnier in Innsbruck leider schwer verletzte und wir alle das Saisonaus von ihm akzeptieren mussten. Die zusätzliche Verantwortung wurde zunächst auf alle Spieler verteilt bis wir Anfang September Amer Zildzic verpflichten konnten. Mit ihm konnten wir die Spielmacherposition wieder verstärken, mussten uns jedoch erneut an neue Abläufe und Auslösehandlungen gewöhnen.

Die Integration ist grundsätzlich positiv verlaufen, doch nun kommt der lange, steinige Weg sich jeden Tag als Team und Einzelspieler in der Taktik zu verbessern und die Abläufe mit dem dazugehörigen Timing zu optimieren, verändern oder anzupassen. Unser Ziel ist es die individuellen Stärken, die diese Mannschaft hat, dort einzusetzen, wo wir es gerne hätten. Auch in der Verteidigung benötigen wir noch mehr Zeit, um unsere Ideen von der Verteidigung so zu verinnerlichen, dass wir auch unter Matchstress die richtigen Aktionen zum richtigen Zeitpunkt umsetzen. Hier sind die Spieler noch zu oft mit ihren eigenen Aufgaben beschäftigt. Geduld ist von allen Seiten gefragt – jedoch dürfen wir uns keinen Falls auf kleinen Erfolgen ausruhen.

4. Welche Ziele hast du mit der Mannschaft bis zum Ende des Jahres, also bis zum Ende der Hauptrunde?

Die Ziele sind natürlich vielfältig, jedoch steht die wöchentliche Entwicklung des Teams im Vordergrund, sodass wir in den restlichen 7 Spielen eine gewisse Stabilität und Konstanz unserer Leistungen an den Tag legen können. 

Weiterhin haben wir das Ziel, in jedem Spiel an unsere momentane Leistungsgrenze zu gelangen, um, wenn alles optimal läuft, die Finalrunde der besten 6 Teams zu erreichen.

 

Markus Berchten