Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar: falls der Verbleib in der zweithöchsten Spielklasse der Schweiz noch gelingen soll, muss so oder so ein Sieg gegen den Direktkonkurrenten aus der Nordwestschweiz her. Die Jung-Hoppers liegen vor dem letzten Spieltag mit zwei Punkten hinter dem TV Birsfelden, aber dank des besseren Torverhältnis ist klar, dass ein Sieg genügen würde, um die Baselbieter zu überholen. Da aber mit der SG Wädenswil/Horgen ebenfalls noch ein zu überholender Kontrahent einen Punkt vor den Blauweissen liegt, ist ebenfalls klar, dass man sein Schicksal nicht mehr gänzlich in eigenen Händen hat. Es braucht also einen perfekten Samstagabend, um das Unmögliche möglich zu machen.
Zu Beginn der Partie merkt man den Jung-Hoppers sofort an, dass sie im Abstiegskampf noch lange nicht aufgegeben haben: hart, aber fair werden die Birsfelder Angriffe weggedeckt und vorne kommen die Jungs vom scheidenden Coach Carreño auch früh regelmässig zum Torerfolg. So können die Hausherren die ersten 10 Minuten ganz nach ihrer Vorstellung gestalten und führen nach 13 Minuten verdient mit 7:3. Nachdem die Gäste dann ihre Auszeit genommen haben, kommen auch sie allmählich besser in die Partie und kämpfen sich Schritt für Schritt zurück. Bis zur Pause haben auch die Nordwestschweizer endgültig ins Spiel gefunden und verkürzen den Vorsprung der Zürcher bis auf ein Tor.
Nach der Pause verkommt das Spiel dann zum reinen Schlagabtausch, der wohl bei so einigen Zuschauenden (und Spielenden sowieso) das Nervenkostüm ordentlich beansprucht. Die Begegnung ist nun (noch mehr als vor der Pause schon) von einer hohen Zweikampfhärte und vielen Strafen geprägt, und kein Team kann sich zu irgendeinem Zeitpunkt entscheidend absetzen. Zwar übernehmen die Birsfelder in Minute 43 vorläufig die Führung, aber die Hausherren lassen sich nicht aus dem Konzept bringen und drehen die Partie innert fünf Minuten wieder zu einer eigenen Führung, die aber nie mehr als zwei Tore beträgt. Und so kommt es, dass die Gäste knapp 20 Sekunden vor Ende ausgleichen, sodass es danach aussieht, dass die Jung-Hoppers wohl den Abstieg in die 1. Liga antreten müssen. Doch nach einem Timeout und einem halbgut gespielten Spielzug gelingt es Alex Besek, mit der Schlusssirene einen Strafwurf herauszuholen. Und dann, wie schon in Möhlin, Auftritt Nico Bänninger: ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken wummst er den Ball in die Maschen, und der blauweisse Jubel kennt keine Grenzen mehr. Vor allem auch, weil sich schnell das Resultat aus dem Parallelspiel verbreitet: der BSV Stans holt einen Punkt gegen die SG Wädenswil/Horgen, was bedeutet, dass die SG GCA/HCK sowohl an Birsfelden als auch an Wädi/Horgen vorbeizieht und gerettet ist.
Mit diesem dramatischen Schlussakt, den sich wohl auch ein Hollywood-Regisseur nicht hätte ausdenken können, endet eine turbulente Saison für die SG GC Amicitia / HC Küsnacht. Aufgrund der Veränderungen in der QHL hatte sich auch der Kader in der NLB stark verändert; bis kurz vor Saisonstart gab es noch Änderungen beim verfügbaren Spielermaterial. Aber Trainer Oscar Carreño und seine Jungs haben das Beste daraus gemacht und können, trotz Auf und Ab, stolz auf das Geleistete zurückblicken.
Wie es so ist zum Ende einer Saison hin, müssen wir in unserer Mannschaft mit einem weinenden Auge auch von einigen unserer Jungs Abschied nehmen. Mit Gianni, Micha, Manu, Vale, Louis, Laurin, Philip, Noah, Len, Nils und nicht zuletzt auch unserem Jefe Oscar verlassen uns nicht nur tolle Handballer und ein hervorragender Trainer, sondern in erster Linie vor allem auch grossartige Menschen. Wir wünschen ihnen allen nur das Allerbeste auf ihrem weiteren Weg, unabhängig davon, ob er innerhalb oder ausserhalb der Handballhalle weitergeht, und hoffen, bald wieder mal den einen oder anderen in der Saalsporthalle begrüssen zu dürfen. Sie alle werden immer ein Teil von La Familia bleiben!
Bericht: Lars Niedermann

