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QHL: Fehlstart gegen Wacker nicht mehr zu korrigieren
Foto by Felix Burichter

QHL: Fehlstart gegen Wacker nicht mehr zu korrigieren

GC Amicitia Zürich muss im vierten Meisterschaftsspiel der Saison die zweite Niederlage hinnehmen. In der Lachenhalle bringt sich die Mannschaft von Werner Bösch mit einem völlig missglückten Start früh selbst in eine schwierige Lage. Acht technische Fehler in den ersten elf Minuten ermöglichen Wacker Thun, sich entscheidend abzusetzen. GCA zeigt danach Moral, läuft und kämpft bis zum Schluss – wirklich in Gefahr gerät der Thuner Erfolg aber nicht mehr. Nach vier Spielen stehen für die junge Zürcher Mannschaft vier Punkte und einige wichtige Erkenntnisse zu Buche. Franco di Matteo

GC Amicitia hatte sich für die Partie in Thun viel vorgenommen. Eine stabile Deckung, schnelles Umschalten und möglichst viel Tempo über 60 Minuten sollten die Basis bilden, um Wacker in der heimischen Lachenhalle unter Druck zu setzen. Doch genau das Gegenteil trat ein.

Die Zürcher fanden überhaupt nicht in die Partie. Acht technische Fehler in den ersten elf Minuten verhinderten praktisch jeden Spielfluss und ermöglichten den Thunern, früh die Kontrolle zu übernehmen. Statt Wacker selbst unter Druck zu setzen, mussten die Zürcher beinahe von Beginn weg einem deutlichen Rückstand hinterherlaufen.

Damit war die Ausgangslage früh eine völlig andere als geplant.

Co-Trainer Sascha Schoenholzer bringt die entscheidende Phase entsprechend klar auf den Punkt: «Wir hatten in den ersten elf Minuten acht technische Fehler. Danach sind wir dem Rückstand hinterhergerannt. Grundsätzlich war das Spiel nach dieser Anfangsphase entschieden.»

Besonders ärgerlich: Bereits beim Auswärtssieg in Basel hatte GC Mühe bekundet, in den ersten Minuten den gewünschten Zugriff auf die Partie zu finden. Damals gelang es der Mannschaft, das Spiel noch zu drehen. Gegen ein starkes Wacker Thun war die Hypothek diesmal zu gross.

«Nach Basel ist es jetzt das zweite Auswärtsspiel, bei dem der Start in die Hosen ging. Das werden wir sicher thematisieren und analysieren, ob wir allgemein oder individuell ansetzen müssen – möglicherweise auch beim Ablauf der Anreise», so Schoenholzer.

Gegen Thuns Topformation ohne Zugriff

Wacker nutzte die Zürcher Unsicherheiten konsequent. Immer dann, wenn die Berner Oberländer mit ihrer stärksten Formation auf dem Feld standen, gelang es den Hoppers kaum, die Gastgeber entscheidend unter Druck zu setzen. Die Thuner spielten ihre physische Qualität und Erfahrung aus und hatten auf die Zürcher Versuche, zurück in die Partie zu kommen, immer wieder eine Antwort.

Damit bestätigte sich, was bereits vor dem Spiel klar gewesen war: In der Lachenhalle reicht es nicht, nur phasenweise auf dem gewünschten Niveau zu agieren. Gegen eine Mannschaft wie Wacker müssen Intensität, Konzentration und technische Präzision über einen möglichst langen Zeitraum stimmen. Genau das gelang GC Amicitia Zürich an diesem Abend nicht.

Moral und Tempo stimmen

Trotz des frühen Rückstands gab sich die junge Zürcher Mannschaft nicht auf. Sie versuchte weiterhin, Tempo zu machen, lief konsequent nach vorne und war auch körperlich bereit, dagegenzuhalten. Im weiteren Verlauf gelang es den Hoppers deshalb auch, den Abstand zwischenzeitlich zu reduzieren.

Dass das Resultat nochmals etwas enger wurde, darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wacker die Partie kontrollierte und mit verschiedenen Formationen agieren konnte.

Schoenholzer ordnet die Aufholversuche deshalb nüchtern ein: «Gut war grundsätzlich unser Wille zu laufen und Tempo nach vorne zu machen. Auch physisch war die Bereitschaft da, dagegenzuhalten. Resultatmässig sind wir wieder etwas näher gekommen, das war aber auch der Wacker-Aufstellung geschuldet.»

Der Wille war vorhanden. Die Mannschaft arbeitete. Was an diesem Abend fehlte, waren die Konstanz und die Qualität, um aus diesem Aufwand nochmals ein wirklich offenes Spiel zu machen.

«Wir hätten gestern wahrscheinlich vier Stunden spielen können», fasst Schoenholzer die Kräfteverhältnisse zusammen.

Nach vier Spielen dort, wo man sich erwartet hat

Nach dem gelungenen Saisonstart mit Siegen gegen Handball Stäfa und auswärts beim RTV 1879 Basel folgten nun Niederlagen gegen die Kadetten Schaffhausen und Wacker Thun. Damit steht GC Amicitia Zürich nach den ersten vier Meisterschaftsspielen bei vier Punkten. Vor allem der Auswärtserfolg in Basel war ein wichtiger Bonus.

Gleichzeitig bestätigen die ersten vier Spiele viele der Einschätzungen, mit denen GC Amicitia Zürich in die Saison gestartet ist. Die junge Mannschaft verfügt über Qualität und kann an einem guten Tag auch stärkere Gegner unter Druck setzen. Was ihr noch fehlt, ist die notwendige Konstanz.

«Die Mannschaft ist willig und arbeitet grundsätzlich gut. Sie geben alles, was sie haben. Viele gute Ansätze sind da – aber noch wenig Konstanz», so Schoenholzer.

Genau diese Schwankungen waren auch in den vergangenen beiden Spielen sichtbar. Gegen die Kadetten zeigten die Hoppers nach einem 13:19-Pausenrückstand eine starke Reaktion und kam bis auf 22:23 heran. In Thun war die schwache Phase diesmal aber zu früh, zu lang und zu folgenschwer.

Führung muss sich entwickeln

Ein Teil dieser fehlenden Konstanz ist auch der Struktur der Mannschaft geschuldet.

GC Amicitia Zürich verfügt weiterhin über einen jungen Kader, in dem verschiedene Spieler erst lernen müssen, in schwierigen Situationen Verantwortung zu übernehmen. Gerade wenn eine Partie zu kippen droht, fehlt momentan noch jene Stabilität, die ein erfahrener Führungsspieler geben kann.

«In schwierigen Phasen fehlt uns vorne und hinten ein Leader. Das muss sich mit der Zeit innerhalb der Mannschaft entwickeln», erklärt Schoenholzer.

Damit verbunden bleibt auch die Herausforderung für das Trainerteam, an jedem Spieltag jene Formation zu finden, die funktioniert. Die Leistungen einzelner Spieler schwanken momentan noch stark. Gute Trainingswochen sind nicht automatisch ein Indikator für eine starke Leistung am Wochenende – und umgekehrt.

Das gehört zum Entwicklungsprozess einer jungen Mannschaft. Gleichzeitig ist genau dort einer der entscheidenden nächsten Schritte notwendig.

Zurück zur Basis

Der grundsätzliche Fokus wird nach der Niederlage nicht verändert. GC will weiter an seinen Systemen und insbesondere an den Grundlagen arbeiten. Bereits am Montag steht verstärkt die individuelle technische Arbeit im Zentrum. Gleichzeitig wird das Trainerteam die Partie anhand der Video- und Spieldaten detailliert analysieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Zusammenspiel zwischen Deckung und Torhütern sowie auf dem Rückzugsverhalten.

Auch die weitere Entwicklung der Defensivsysteme bleibt ein Thema. Neben der etablierten 6:0-Deckung arbeitet das Team an einer offensiveren 5:1-Variante. Wie stark diese in den kommenden Trainingseinheiten gewichtet wird, soll auch von der Analyse des nächsten Gegners abhängen. Und der hat es erneut in sich.

Nächste Aufgabe: auswärts beim BSV Bern

Nach der intensiven Startphase erhält GC nun etwas mehr Zeit, um an den erkannten Schwachstellen zu arbeiten. Das nächste Meisterschaftsspiel findet am Mittwoch, 16. September, auswärts beim BSV Bern statt.

Die Berner sind gut in die neue Saison gestartet und bringen insbesondere defensiv viel Physis auf das Feld. Im Angriff übernimmt Noah Eggimann viel Verantwortung. Damit wartet auf die Zürcher erneut eine Mannschaft, die Fehler konsequent bestrafen kann.

Für GC Amicitia Zürich wird deshalb vor allem eines entscheidend sein: sich nicht wieder selbst eine kaum zu bewältigende Hypothek aufzuerlegen.

«Es wird ein schwieriges Spiel. Aber wenn wir uns nicht selber torpedieren, können wir sie sicher ärgern», sagt Schoenholzer.

Nach vier Spieltagen geht es deshalb nicht darum, den eingeschlagenen Weg infrage zu stellen. Die vier Punkte bilden eine ordentliche Ausgangslage. Die Mannschaft arbeitet, zeigt Moral und hat bereits mehrfach angedeutet, welches Potenzial vorhanden ist. Nun besteht die nächste Aufgabe darin, aus guten Phasen gute Spiele zu machen.

Und genau dafür müssen jene ersten elf Minuten von Thun zur Lehre werden.

Nächstes Spiel
BSV Bern vs. GC Amicitia Zürich
Mittwoch, 16. September 2026, 19.15 Uhr