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QHL: Nach starkem Heimspiel geht es nun nach Thun
Photo by Felix Burichter

QHL: Nach starkem Heimspiel geht es nun nach Thun

GC Amicitia Zürich muss sich im dritten Saisonspiel erstmals geschlagen geben. Gegen den noch ungeschlagenen Vizemeister Kadetten Schaffhausen verlieren die Hoppers in der Saalsporthalle mit 28:34 (13:19), zeigen nach einem schwierigen ersten Durchgang aber eine bemerkenswerte Reaktion und kommen in der zweiten Halbzeit bis auf ein Tor heran. Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt nicht: Bereits am Samstag wartet auswärts bei Wacker Thun die nächste anspruchsvolle Aufgabe. Franco di Matteo

Nach den beiden Siegen gegen Handball Stäfa und den RTV 1879 Basel wartete am Mittwochabend der erste grosse Gradmesser der noch jungen Saison. Mit den Kadetten Schaffhausen gastierte der amtierende Vizemeister und Tabellenführer in der Saalsporthalle.

Die Hoppers starteten mutig in die Partie und hielten das Geschehen zunächst offen. Nach 13 Minuten lagen die Hoppers sogar mit 7:6 vorne. Danach zeigte sich allerdings, weshalb die Kadetten auch in dieser Saison zu den grossen Titelanwärtern gehören.

Die Schaffhauser erhöhten die Intensität in der Deckung, kamen immer besser in ihr Tempospiel und bestraften Zürcher Fehler konsequent. Innerhalb weniger Minuten kippte die Partie. Aus der knappen GCA-Führung wurde bis zur 20. Minute ein 7:13-Rückstand. Zur Pause lagen die Hoppers mit 13:19 zurück.

Ein entscheidender Faktor war dabei Kadetten-Torhüter Leon Bergmann. Der österreichische Schlussmann erwischte einen herausragenden Abend, parierte insgesamt 21 Würfe und beendete die Partie mit einer Abwehrquote von starken 43 Prozent. Damit verhinderte er mehrfach, dass die Zürcher für gute offensive Aktionen auch mit einem Tor belohnt wurden.

Beeindruckende Reaktion nach der Pause

Wer nach den ersten 30 Minuten mit einer klaren Angelegenheit gerechnet hatte, wurde nach dem Seitenwechsel eines Besseren belehrt. GC Amicitia Zürich kam mit deutlich mehr Energie aus der Kabine. Die Deckung agierte aggressiver, das Tempo wurde erhöht und die Mannschaft spielte im Angriff wieder mit mehr Überzeugung.

Plötzlich waren es die Zürcher, die den Vizemeister unter Druck setzten.

Die Hoppers nutzten die Fehler der Kadetten konsequent und verkürzten den Rückstand Tor um Tor. Aus dem 13:19 zur Pause wurde eine völlig offene Partie. Nach 40 Minuten gelang den Zürchern beim 22:23 der Anschlusstreffer. Die Saalsporthalle war wieder da – und der Favorit aus Schaffhausen plötzlich gefordert.

Dass die Kadetten selbst diese Phase später als schwierigen Moment des Spiels bezeichneten, unterstreicht die Qualität der Zürcher Reaktion. GC Amicitia Zürich hatte es geschafft, eine Partie, die zur Pause bereits in Richtung Schaffhausen zu kippen schien, nochmals vollständig zu öffnen.

Der Favorit findet nochmals eine Antwort

Gerade in dieser Phase zeigte sich allerdings auch die individuelle Klasse und Erfahrung des Vizemeisters. Nach der Roten Karte gegen Ariel Pietrasik fanden die Kadetten wieder zu ihrem Spiel. Allen voran Captain Luka Maros übernahm Verantwortung und erzielte insgesamt acht Treffer. Auch Patrik Martinovic wurde mit sechs Toren zu einem wichtigen Faktor. Auf den Flügeln sorgten Nikos Sarlos mit fünf sowie Odinn Thor Rikhardsson mit sieben Treffern für zusätzliche Gefahr.

GC Amicitia Zürich konnte den enormen Aufwand der ersten Minuten nach der Pause nicht ganz bis zum Ende aufrechterhalten. Schaffhausen setzte sich nochmals ab und brachte die Partie letztlich mit 34:28 nach Hause.

Das Resultat fiel dabei deutlicher aus, als es der Spielverlauf über weite Strecken der zweiten Halbzeit vermuten liess. Für die junge Zürcher Mannschaft bleibt deshalb trotz der ersten Saisonniederlage eine wichtige Erkenntnis: sie war nach einem Sechs-Tore-Rückstand in der Lage, gegen einen der stärksten und breitesten Kader der Liga zurückzukommen und den Favoriten nochmals ernsthaft unter Druck zu setzen. So darf an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Kadetten gezwungen waren, über die vollen 60 Minuten mit ihren internationalen Stars durchzuspielen.

Ein Schritt im Entwicklungsprozess

Nach den Siegen gegen Stäfa und Basel endet damit zwar die perfekte Startserie. Die Niederlage gegen die Kadetten ändert jedoch wenig am insgesamt positiven Saisonstart. Vielmehr zeigte die Partie ziemlich genau, wo GC Amicitia Zürich aktuell steht.

Wenn Konzentration, Intensität und Konsequenz fehlen, werden Fehler gegen ein Spitzenteam wie Schaffhausen unmittelbar bestraft. Gleichzeitig zeigte die zweite Halbzeit aber auch, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt, wenn Deckung, Tempo und Angriffsspiel ineinandergreifen.

Genau solche Spiele gehören zum Entwicklungsprozess dieses jungen Teams. Es geht darum, die starken Phasen zu verlängern, Schwächeperioden zu verkürzen und jene Intensität, mit der die Hoppers den Vizemeister nach der Pause beinahe einholten, zunehmend über 60 Minuten auf den Platz zu bringen.

Nach drei Spielen stehen damit vier Punkte aus drei Partien zu Buche. Und bereits am Samstag bietet sich die nächste Gelegenheit, diese Bilanz auszubauen.

Nächster Halt: Lachenhalle

Nur drei Tage nach dem Duell mit den Kadetten wartet auf die Mannschaft von Werner Bösch die nächste schwierige Aufgabe.

Am Samstag, 5. September, gastieren die Zürcher um 18.00 Uhr bei Wacker Thun in der Lachenhalle.

Die Berner Oberländer sind mit einem überzeugenden 38:29-Heimsieg gegen den RTV 1879 Basel in die Saison gestartet. Im zweiten Spiel mussten sie sich auswärts bei den Kadetten Schaffhausen mit 35:42 geschlagen geben. Damit steht Wacker nach zwei Partien bei zwei Punkten.

Interessant ist dabei der Vergleich der beiden Auftritte gegen Schaffhausen. Während Wacker offensiv mit 35 erzielten Treffern seine Qualitäten zeigte, offenbarten die 42 Gegentore Verbesserungspotenzial in der Defensive. Wacker selbst fordert deshalb vor dem Duell mit den Zürchern eine kompaktere Deckung, mehr Konsequenz in den Zweikämpfen und eine über 60 Minuten geschlossenere Mannschaftsleistung.

Aufeinandertreffen mit alten Bekannten

Das Spiel vom Samstag ist auch ein Aufeinandertreffen alter Bekannter. So steht mit Oscar Carreno Pellitero der ehemalige GCA NLB Trainer an der Seitenlinie der Thuner. Und auf dem Spielfeld stehen mit Flurin Platz, Gilles Besek und Silvan Fürst gleich drei ehemalige Hoppers auf Seiten der Thuner im Einsatz.

Dass die Thuner die Zürcher ernst nehmen, zeigt auch ihre eigene Einschätzung vor dem Spiel. Wacker erwartet eine dynamische GCA-Mannschaft, die nach zwei Siegen zum Auftakt mit Selbstvertrauen in die Lachenhalle reisen wird. Die Gastgeber wollen deshalb selbst aus einer stabilen Defensive heraus Tempo entwickeln und im Positionsangriff geduldig und mit klaren Entscheidungen agieren.

Mit einer stabilen Deckung ins Tempospiel kommen

Für das Team vom Trainerduo Bösch/Schönholzer ist die Marschrichtung in Thun klar.

Die Mannschaft kann mit Selbstvertrauen in die Lachenhalle reisen. Vier Punkte aus den ersten drei Spielen sind eine gute Basis – und insbesondere die zweite Halbzeit gegen die Kadetten hat gezeigt, dass sich die Zürcher auch gegen einen Gegner von höchster Qualität nicht verstecken müssen.

Entscheidend wird sein, diese Leistung nun zu bestätigen.

Die Basis dafür muss eine stabile und aktive Deckung bilden. Gelingt es GC, die Thuner früh unter Druck zu setzen, Zweikämpfe anzunehmen und Ballgewinne zu provozieren, kann die Mannschaft eine ihrer grössten Stärken ausspielen: den schnellen Wechsel von Defensive auf Offensive.

Genau dort soll Wacker permanent beschäftigt werden.

GC Amicitia Zürich will über 60 Minuten ein hohes Tempo gehen, nach Ballgewinnen schnell umschalten und auch nach Gegentoren möglichst wenig Zeit verstreichen lassen. Im Positionsangriff braucht es gleichzeitig Geduld, Ballfluss und klare Entscheidungen.

Fehlerquote und Konsequenz werden entscheidend

Die Partie gegen die Kadetten hat allerdings auch gezeigt, wie schnell sich einfache Fehler auf diesem Niveau summieren können.

Deshalb wird es in Thun entscheidend sein, die eigene Fehlerquote tief zu halten. Die Zürcher dürfen Wacker möglichst wenige einfache Gegenstosstore ermöglichen und müssen gleichzeitig konzentriert und konsequent im eigenen Angriffsspiel bleiben.

Auch die Chancenverwertung wird eine wichtige Rolle spielen. Gegen Schaffhausen scheiterte man immer wieder am Torhüter Leon Bergmann. In Thun müssen sich die Hoppers für gut herausgespielte Möglichkeiten konsequenter belohnen.

Gelingt es, stabil zu verteidigen, schnell umzuschalten, über 60 Minuten Tempo zu machen, die technischen Fehler zu reduzieren und konsequent abzuschliessen, verfügt die Mannschaft von Werner Bösch über alle Voraussetzungen, um auch aus der Lachenhalle etwas mitzunehmen.

Wacker Thun – GC Amicitia Zürich
Samstag, 5. September 2026 | 18.00 Uhr
Lachenhalle Thun