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QHL: Viel Charakter gegen den Meister
Photo by Felix Burichter

QHL: Viel Charakter gegen den Meister

GC Amicitia Zürich muss sich dem amtierenden Schweizer Meister HC Kriens-Luzern mit 35:43 (16:21) geschlagen geben. Das Resultat fällt am Ende deutlicher aus, als es der Spielverlauf über weite Strecken vermuten liess. Vor 652 Zuschauenden in der Saalsporthalle zeigte die junge Mannschaft von Werner Bösch viel Moral, hielt den Rückstand lange im Bereich von vier bis sechs Toren und überzeugte mit Einsatz, Wille und Charakter. Für das grosse Ausrufezeichen des Abends sorgte der erst 17-jährige Nico Petrig mit elf Treffern. Franco di Matteo

Die Rollen waren vor dem Spiel klar verteilt. Auf der einen Seite der amtierende Schweizer Meister und Champions-League-Teilnehmer HC Kriens-Luzern, auf der anderen das weiterhin sehr junge Team von GC Amicitia Zürich. Doch die Zürcher versteckten sich vor der gut gefüllten Saalsporthalle keineswegs.

Kriens erwischte den besseren Start und nutzte die ersten Fehler der Gastgeber konsequent. GC liess sich davon jedoch nicht abschütteln. Immer wieder fanden die Zürcher Lösungen und blieben in Schlagdistanz. Erst gegen Ende des ersten Durchgangs konnte sich der Favorit etwas deutlicher absetzen. Zwischenzeitlich betrug der Rückstand sechs Treffer, ehe GC mit viel Moral noch einmal auf 15:18 verkürzte. Zur Pause lag Kriens-Luzern mit 21:16 vorne.

«Wir starten solid, machen dann zwei, drei Fehler und die bringen Kriens in Vorlage», analysierte Werner Bösch. Gerade die einfachen Ballverluste ärgerten den GC-Trainer: «Im Angriff machen wir in der ersten Hälfte wieder acht oder neun technische Fehler, was sicher zu viel ist. Vor allem die ganz einfachen Fehler tun uns weh.»

GC lässt sich nicht abschütteln

Auch nach der Pause blieb das Bild über lange Zeit ähnlich. Kriens kontrollierte die Partie, GC hielt dagegen. Der Rückstand bewegte sich lange zwischen vier und sechs Treffern. Nach 38 Minuten traf Petrig zum 22:26, wenig später stand es 24:28. Auch beim 30:34 nach 50 Minuten war GC weiterhin in Reichweite. In dieser Phase zeigte die Mannschaft, dass sie auch gegen einen Gegner mit enormer individueller Qualität offensiv mithalten kann.

«Wir konnten über lange Zeit unser Spiel spielen und mit Luzern mithalten. Am Schluss ist das Ergebnis zu hoch, wenn man sich das Spiel anschaut», fasste Nico Petrig die Partie zusammen.

Tatsächlich wurde die Differenz erst in den Schlussminuten deutlich grösser. Beim Stand von 33:37 in der 54. Minute war GC noch auf vier Tore herangekommen. Drei technische Fehler in den letzten fünf Minuten verhinderten jedoch, dass die Zürcher das Resultat noch enger gestalten konnten. Kriens nutzte diese Phase mit der Abgeklärtheit eines Spitzenteams und erhöhte bis zum Schlusspfiff auf 43:35.

Ein 17-Jähriger sorgt für das Ausrufezeichen

Die herausragende Geschichte des Abends schrieb Nico Petrig. Der erst 17-jährige linke Flügel erzielte 11 Treffer aus 15 Versuchen und wurde völlig verdient zum Best Player von GC Amicitia gewählt.

Petrig übernahm Verantwortung, zeigte sich auch vom Siebenmeterstrich nervenstark und bereitete der Krienser Defensive über die gesamte Partie Probleme. Dass ein 17-Jähriger gegen den amtierenden Meister und Champions-League-Teilnehmer derart selbstbewusst auftritt, steht sinnbildlich für den Weg, den GC Amicitia mit seiner jungen Mannschaft eingeschlagen hat.

Ebenfalls positiv fiel Neuzugang Neil Röttges auf. Er stand von Beginn an auf dem Feld, erzielte unter anderem das erste Zürcher Tor zum 1:1 und setzte auch in der Schlussphase nochmals Akzente.

Offensiv ein Schritt nach vorne – defensiv bleibt Arbeit

35 erzielte Tore gegen den Schweizer Meister zeigen, dass GC offensiv über weite Strecken Lösungen fand. Gleichzeitig legte die Partie schonungslos offen, woran die junge Mannschaft weiterarbeiten muss.

Insbesondere im Zentrum fehlten Bösch die Durchbrüche, während Kriens auf der Gegenseite seine individuelle Qualität und Zweikampfstärke immer wieder ausspielen konnte.

«Wir bekommen über das ganze Spiel hinweg unsere Deckung nicht in den Griff, was aber auch mit der Qualität der Krienser und ihrer Zweikampfstärke zu tun hatte, wo wir aktuell nicht immer mithalten können», so Bösch. «Da müssen wir uns entwickeln, da müssen wir weiterarbeiten.»

Mit 43 Gegentoren und zu wenig Unterstützung aus Deckung und Torhüterposition blieb defensiv entsprechend Verbesserungspotenzial. Auf der anderen Seite zeigte die Mannschaft aber auch, dass sie ihr System über lange Phasen halten und offensiv mit einem Spitzenteam des Schweizer Handballs Schritt halten kann.

Bösch sah deshalb trotz der Niederlage Fortschritte: «Ich denke, wir haben eine gute Vorstellung gezeigt, auf der wir aufbauen können. Am Ende geht es um den Weg. Der ist wieder mit kleinen Schritten vorwärts gegangen – und diese kleinen Schritte werden wir weitermachen.»

Einsatz, Wille und Charakter stimmen

Genau dieser Eindruck blieb auch bei den 652 Zuschauenden in der Saalsporthalle zurück. Trotz der Niederlage gab es viel positives Feedback für den Auftritt der jungen Zürcher Mannschaft.

GC hatte gegen den Favoriten nie aufgegeben, suchte auch bei einem Rückstand weiterhin den Weg nach vorne und zwang den Schweizer Meister über weite Strecken dazu, für seine Tore und seinen Vorsprung zu arbeiten.

Die Niederlage zeigt, dass zur nationalen Spitze noch ein Stück Weg vor der jungen Mannschaft liegt. Gleichzeitig zeigte dieser Abend aber auch, welches Potenzial in diesem Team steckt.

Mit Selbstvertrauen nach Aarau

Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt ohnehin nicht. Bereits am Sonntag, 27. September, um 17.00 Uhr steht für GC Amicitia das nächste wichtige Meisterschaftsspiel auf dem Programm. Dann gastieren die Zürcher beim Tabellennachbarn HSC Suhr Aarau in der Schachenhalle.

Nach sechs Spielen steht GC mit vier Punkten auf Rang neun, Suhr Aarau mit sechs Punkten auf Rang sechs. Entsprechend wichtig wird das direkte Duell mit den Aargauern.

Die junge Mannschaft kann dabei nicht nur mit den positiven Erkenntnissen aus dem Auftritt gegen Kriens-Luzern, sondern auch mit guten Erinnerungen nach Aarau reisen: In der vergangenen Saison gewann GC Amicitia alle drei Begegnungen gegen den HSC Suhr Aarau – zwei davon auswärts im Schachen.

Nach dem mutigen Auftritt gegen den Schweizer Meister gilt es nun, den nächsten kleinen Schritt zu machen – und die gezeigte Leistung am Sonntag in Punkte umzumünzen.

Nächstes Spiel:
HSC Suhr Aarau vs. GC Amicitia Zürich

Sonntag, 27.09.2026, 17.00 Uhr
Schachen Aarau