Ein Umbruch, der zugleich Herausforderung und Chance ist: Nach der Insolvenz des bisherigen Trägervereins GAZ übernahm der neu gegründete Verein HBZ (HandballZürich) ab Juli die strategische und organisatorische Verantwortung für die Herren-NLA-Mannschaft von GC Amicitia Zürich. Der Traditionsclub setzt dabei auf eine klare Neuausrichtung – weniger Budget, mehr Eigengewächse und eine gezielte Verjüngung des Kaders.
Neustart nach Insolvenz
Der bisherige Trägerverein GAZ, der das NLA-Team organisatorisch führte, musste Ende Juni Insolvenz anmelden. Der Wegfall des Hauptsponsors führte zu massiven finanziellen Engpässen. "Trotz intensiver Gespräche mit potenziellen Partnern konnten wir die Lücke nicht schliessen", erklärt Philip Hohl, Präsident des neuen Vereins HBZ. "Wenn einem plötzlich der Hauptsponsor von heute auf morgen mitteilt, dass er seinen vertraglich geregelten Verpflichtungen nach über 10-jähriger Partnerschaft nicht mehr nachkommen kann, dann wird es finanziell plötzlich sehr schwierig», sagt Hohl weiter.
"Wir haben auch versucht, einen Sanierungsplan umzusetzen, der Gespräche mit den damaligen Spielern beinhaltete", führt dieser weiter aus. "Jedoch fand man nicht mit allen einen gemeinsamen Nenner und so scheiterte dieser Plan am Ende."
Infolge der Zahlungsunfähigkeit mussten laufende Verträge aufgelöst und die letzten drei Löhne konnten nicht mehr beglichen werden. «Wir haben aus dem Vorstand heraus noch privat Geld eingeschossen, aber am Ende reichte es dann leider nicht mehr», so Hohl. Um den Fortbestand des Teams zu sichern, wurde mit HBZ eine neue Trägerschaft gegründet. Diese will das QHL Team sportlich wie wirtschaftlich stabilisieren und konsequent auf Nachhaltigkeit setzen.
Fokus auf den Nachwuchs
Mit der Saison 2025/26 schlägt GC Amicitia Zürich sportlich einen neuen Weg ein. Der Kader des QHL Teams wird gezielt verjüngt und durch Talente aus der eigenen NLB-Mannschaft verstärkt. Mit Alex (20) und Gilles Besek (22), Milo Rüegg (21) und Nico Bänniger (21) im Rückraum, sowie Nico Petrig (17) am linken Flügel und Tim Müller (22) im Tor stehen gleich sechs Nachwuchsspieler neu im Kader. Aus Kriens-Luzern kommt der ebenfalls noch junge Kreisläufer Finley Röttges (21).
«Wir konnten gute junge Spieler aus der NLB hochbringen. In Kombination mit erfahrenen Spielern wie Igor Cagalj oder David Poloz, sowie den Jungen mit zwei drei Jahren NLA-Erfahrung, haben wir doch einen soliden Kader und eine gute Mischung aus Alt und Jung, wo jeder Verantwortung übernehmen kann», sagt Spielmacher Flurin Platz.
Und Nachwuchschef Thomas Rosser ergänzt: "Unsere Nachwuchsspieler haben in der NLB hervorragende Leistungen gezeigt und stehen nun vor dem nächsten Schritt in ihrer Entwicklung."
"Mehr Swissness für Zürich"
Für Rosser ist der Umbruch trotz aller Risiken eine grosse Chance. "In den letzten Jahren war es für Junioren aus unserem Verein sehr schwierig, den Sprung in die NLA zu schaffen. Nun können wir wieder das Signal senden, dass junge Zürcher Talente auf höchstem Niveau spielen können", betont er.
Die Herausforderung liegt jedoch in der Balance: Durch den Aufstieg zahlreicher NLB-Spieler müssen auch U19-Elite-Spieler früher als geplant in die NLB hochgezogen werden. "Wir müssen extrem sorgfältig vorgehen, damit wir die Talente nicht überfordern und langfristig verletzungsfrei halten", so Rosser.
Harte Vorbereitung – grosser Teamgeist
Trotz der personellen Umstellungen verlief die Vorbereitung vielversprechend. "Das Team um die neuen Spieler hat eine sehr gute Vorbereitung hinter sich gebracht", betont HBZ-Präsident Philip Hohl. "Trotz harten und intensiven Trainings ging der Fun Faktor nie verloren. Wir werden ein motiviertes, ehrgeiziges und engagiertes Team in der neuen Saison erleben, dass uns sicher sehr viel Freude bereiten wird". Jedoch ist aber auch allen bewusst, dass es Zeit brauchen wird, bis sich alle an das Niveau der QHL gewöhnt haben.
Auch Cheftrainer Werner Bösch zieht ein positives Zwischenfazit: "Es war für den Trainerstaff schon eine Umstellung, plötzlich mit so vielen Jungen zu arbeiten. Da hatten wir aber sehr gute Gespräche mit dem neuen Vorstand und zum Start war dieses Thema dann auch abgehakt."
Bösch beschreibt, wie fokussiert die Mannschaft die Vorbereitung anging: "Wir stiessen von Tag eins an auf hungrige und motivierte Spieler. In den ersten Tagen haben wir eruiert, wo unsere Schwächen liegen könnten, und setzen seither alles daran, diese auszumerzen und unsere Stärken noch mehr auszuspielen."
Besonders das Trainingslager habe entscheidend zur Teambildung beigetragen: "Es hat sehr geholfen, Mentalitätsfragen zu klären, unsere Spielideen zu transportieren und teaminterne Strukturen zu schaffen. Jeder hatte von Anfang an die gleiche Chance, seine Rolle zu finden – wir sind ja praktisch auf einer grünen Wiese gestartet."
Gleichzeitig mahnt der Cheftrainer zur Geduld: "Es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber die Stossrichtung ist allen klar."
Besonders der Charakter des neuen Kaders macht Hohl optimistisch: "Die jungen Spieler in Kombination mit den bestehenden NLA-Spielern ergeben einen sehr interessanten Mix. Zwar ist der Kader sehr jung, doch kennen sich alle Spieler auch schon länger. Das macht es einfacher, den Teamgeist zu finden."
Sportliche Ambitionen bleiben
Trotz reduzierten Budgets und einer neu zusammengestellten Mannschaft wollen die Verantwortlichen die Konkurrenzfähigkeit in der QHL erhalten. "Wir haben ein junges, aber ambitoniertes Team, das alles daransetzen wird, die Liga zu halten und attraktiven Handball zu zeigen. Wir werden sicher nicht um den Titel spielen, aber wir sind auch nicht automatisch für einen Playout-Platz gesetzt, nur weil wir einen jungen Kader haben", so Philip Hohl.
Auch Thomas Rosser blickt optimistisch nach vorne: "Ich hoffe, dass wir so wieder mehr Swissness nach Zürich bringen und zeigen können, dass unsere Nachwuchsarbeit Früchte trägt."
Saisonstart
Zum Saisonstart geht es für das Team von Werner Bösch am Sonntag, 31.08.2025, nach Aarau zum HSC Suhr Aarau. Die ersten beiden Heimspiele der neuen Saison in der Saalsporthalle finden dann am Mittwoch, 03.09.2025, gegen den BSV Bern (19.15 Uhr) und am Samstag, 06.09.2025, gegen Wacker Thun (18.00 Uhr) statt.


