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SPL: Kerstin Kündig beendet ihre aktive Handballkarriere und wird Nachwuchstrainerin bei GC Amicitia Zürich
Foto: Frédéric Diserens

SPL: Kerstin Kündig beendet ihre aktive Handballkarriere und wird Nachwuchstrainerin bei GC Amicitia Zürich

Nach einer beeindruckenden Karriere im Spitzenhandball beendet Kerstin Kündig nach der Saison 2025/26 ihre aktive Laufbahn als Spielerin. Der Schweizer Frauenhandball verliert damit ein grosses Vorbild für viele Mädchen und eine Vorreiterin für professionellen Handball. Ganz verabschieden wird sich Kündig vom Handball jedoch nicht: In ihrer neuen Rolle als Nachwuchstrainerin bei GC Amicitia Zürich will sie ihre umfangreiche Erfahrung an die nächste Generation weitergeben und den Schweizer Frauenhandball weiterhin mitgestalten.

Im Sommer 2025 wechselte Kündig nach fünf Jahre im Ausland zu GC Amicitia Zürich und übernahm dort sofort eine zentrale Rolle im Team. In der laufenden Saison 2025/26 prägt sie das Spiel entscheidend mit und trägt massgeblich zu den bisherigen Erfolgen der Zürcherinnen bei: Die Hauptrunde beendete GC Amicitia Zürich mit 25 Punkten auf dem ersten Platz – punktgleich mit Yellow Winterthur, jedoch dank der besseren Tordifferenz an der Spitze. Kündig erzielte dabei 75 Tore. International erreichte Kündig mit dem Klub die 3. Qualifikationsrunde der EHF European League, scheiterte dort jedoch am HC Lokomotiva Zagreb. Ein historischer Erfolg folgte im Februar 2026 mit dem Sieg im Final des Mobiliar Handball Cup gegen LC Brühl Handball. Kündig steuerte in diesem hochspannenden Final fünf Treffer bei und leitete das Team mit ihrer Erfahrung und einzigartigen Spielübersicht zum ersten Cuptitel seit 21 Jahren. Auch in der Meisterschaft blieb das Team auf Kurs und sicherte sich in der Finalrunde unter Anleitung der Spielmacherin Kündig frühzeitig den ersten Platz in der Tabelle sowie die Qualifikation für die bald anstehenden Playoff-Halbfinals.

In ihrer gesamten Karriere in der höchsten Schweizer Spielklasse kommt sie stand heute auf beeindruckende 253 Spiele und 923 Tore.

«Man soll gehen, wenn es am schönsten ist»

Nach einer erfolgreichen Karriere zieht Kerstin Kündig nach der Saison 2025/26 einen Schlussstrich unter ihre aktive Laufbahn. Auf die Frage, warum jetzt der richtige Zeitpunkt für das Karriereende sei, erklärt sie:

«Ich weiss nicht, ob es den perfekten Zeitpunkt gibt. Handball hat und wird immer einen besonderen Stellenwert in meinem Leben haben. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass jetzt der Moment gekommen ist, meine aktive Karriere zu beenden. Und wie man so schön sagt: Man soll gehen, wenn es am schönsten ist.»

Die Entscheidung selbst sei ihr dabei nicht leicht gefallen. Kündig betont:

«Auf der einen Seite ist es eine schwierige und grosse Entscheidung gewesen. Auf der anderen Seite hat sie sich schon seit einiger Zeit in mir abgezeichnet, und jetzt fühlt es sich sehr gut an, sie getroffen zu haben.»

Wenn sie auf ihre Karriere zurückblickt, ist Kündig auf sehr vieles stolz:

«Ich habe mehr erreicht, als ich mir jemals erträumt hätte. Ich durfte in der Schweiz und in Deutschland Cup- und Meistertitel feiern, die European League gewinnen und die Schweiz als Kapitänin an einer EM und WM anführen. Es gibt viele besondere Momente. Aber noch besonderer sind für mich all die Erlebnisse, die ich mit Menschen teilen durfte, die mir am Herzen liegen und mit denen ich gemeinsam viel investiert habe, um genau das zu erreichen.»

Über ihre Entscheidung weiterhin bei GC Amicitia Zürich als Trainerin aktiv zu sein und was sie an dieser Rolle reizt, erklärt Kündig:

«Ich arbeite sehr gerne mit jungen, ehrgeizigen Athletinnen zusammen. Ich möchte mein Handballwissen an die nächste Generation weitergeben. Ich habe selbst während meiner Karriere so viel von Trainerinnen und Trainern profitieren dürfen. Deshalb hoffe ich, dass ich vielen Mädchen bei GC in den kommenden Jahren etwas mitgeben kann, das ihnen auf ihrem weiteren Weg im Handball hilft.»

Stimmen aus dem Verein

Headcoach Kent Ballegaard über den Rücktritt von Kündig:

«Wir sind stolz darauf, dass Kerstin uns als letzte Station ihrer grossartigen Handballkarriere ausgewählt hat, und wir werden gemeinsam alles dafür tun, dass der kommende Monat sowohl für GC Amicitia Zürich als auch für sie noch historischer wird.»

Für Stefan Oberholzer, Nachwuchschef Frauen, ist die Zusammenarbeit mit Kündig ein wichtiger Gewinn für den Verein:

«Ich freue mich, dass sich Kerstin bei uns als Nachwuchstrainerin engagiert. Die Spielerinnen können von Kerstins professioneller Einstellung und ihrer grossen Erfahrung aus dem Spitzenhandball enorm profitieren. Ich bin davon überzeugt, dass Kerstin neue Impulse setzen wird. Bereits in der noch laufenden Saison, übernahm Kerstin die Verantwortung für den Athletikbereich im Nachwuchs. Diesen wird sie, neben ihrem Engagement als Trainerin auch weiterführen und ausbauen.»

Erfolgreiche Karriere im Ausland

Vor ihrer Rückkehr in die Schweiz spielte Kündig fünf Jahre im Ausland und war in europäischen Topligen aktiv, unter anderem beim Thüringer HC (2020–2022 und 2023–2025), bei Viborg HK (2022) sowie bei SG BBM Bietigheim (2022–2023). Im Dress von Bietigheim gewann sie 2023 das Bundesliga-Double (Meisterschaft und DHB-Pokal) und spielte in der Champions League. 2025 feierte Kündig mit dem Gewinn der EHF European League einen historischen internationalen Klubtitel und das, als erste Schweizer Handballerin überhaupt.

Zuvor spielte die gebürtige Zürcher Oberländerin für Yellow Winterthur (2009–2014) und den LC Brühl Handball (2014–2020). Mit den St. Gallerinnen gewann sie je zweimal Meisterschaft, Cup und Supercup.

Schweizer Nationalmannschaft

Kündig debütierte im Alter von 18 Jahren für die Schweiz. Über 15 Jahre hinweg prägte sie das Nationalteam, führte es als Kapitänin durch Höhen und Tiefen und wurde zu einem wichtigen Vorbild für jüngere Spielerinnen. In dieser Zeit war sie massgeblich an den grössten Erfolgen des Schweizer Frauenhandballs beteiligt und erlebte diese als feste Stütze des Teams hautnah mit: 2022 qualifizierte sich die Schweiz erstmals in der Geschichte des Schweizer Frauenhandballs für eine EM-Endrunde. 2024 folgte ein emotionales Highlight mit der Heim-EM, bevor 2025 mit der ersten WM-Teilnahme schliesslich der nächste historische Schritt gelang.

Im Februar 2026 gab Kündig ihren Rücktritt aus dem A-Nationalteam bekannt und hinterlässt ein bedeutendes sportliches Erbe. In 114 Länderspielen erzielte sie 289 Tore, vor allem aber prägte sie eine Generation, die den Schweizer Frauenhandball auf ein neues Niveau gehoben hat.

Bei den Swiss Handball Awards wurde Kündig insgesamt fünfmal (2017, 2020–2023) als «Swiss Player des Jahres» ausgezeichnet und ist für viele junge Handballerinnen ein grosses Vorbild.

Wir bedanken uns von ganzen Herzen bei Kerstin für ihren Einsatz, den sie Tag für Tag in der Halle als Spielerin für unseren Verein geleistet hat, und verneigen uns vor einer einzigartigen Karriere, welche grosse Fussstapfen im Schweizer Handball hinterlassen hat. Umso mehr freuen wir uns, dass sie GC Amicitia Zürich in ihrer neuen Rolle als Nachwuchstrainerin erhalten bleibt.